Flugschule und Fliegerhorst


Zum besseren Verständnis bieten wir an der Wand links neben der Tür weitere Einblicke in den Truppenübungsplatz, die Lage seiner einzelnen Gebäude, vor allem aber auch in seinen Alltag.
Neben einer Tafel, die von der Tätigkeit eines Gefangenenaufsehers im 1. Weltkrieg berichtet, bietet daneben eine große Info-Tafel Einblicke in den Betrieb der Fliegerschule 4 Lechfeld, deren Kommandeur der vom Bayerischen Kriegsminister ausgezeichnete Augsburger Oberleutnant Richard Euringer war. Der damals übliche Startwagen (heute Tower) war ebenso Standard wie offene Cockpits bei den Flugzeugen. Mit 43 verschiedenen Flugzeugen wurden in Lechfeld künftige Piloten und Bordschützen ausgebildet. Dabei kam es auch zu Unfällen, die vor allem gegen Kriegsende auf ungenügendes Material zurückzuführen waren: ein Flugzeug, ausgestattet mit Holzrädern (!), landet auf einer buckeligen Graspiste, das bedeutet zwangsläufig einen Überschlag! Dabei war die Prüfung für den künftigen Piloten nicht übermäßig schwierig: „Ein Pilot muss in der Lage sein, ein Flugzeug so zu landen, dass es danach in startfähigem Zustand bleibt“ – so ein Auszug aus der damaligen Prüfungsordnung. Bis 1918 wurde an der Fliegerschule 4 ausgebildet, ehe die Militärfliegerei in Deutschland aufgrund des Versailler Vertrages verboten wurde. In der Übergangsphase hin zu einer eigenen Teilstreitkraft Luftwaffe wurde Lechfeld als -„Höhenflugzentrale des Deutschen Flugwetterdienstes“ getarnt. Daraus entstand eine Bombenschule, aus der eine Kampffliegerschule und später die Große Kampffliegerschule hervorgingen.

Flugschule und Fliegerhorst


Neben der seit 1935 neuen Teilstreitkraft „Luftwaffe“ interessierte sich vor allem die Flugzeugfirma Messerschmitt für das Lechfeld. Ihr Werksflugplatz in Haunstetten (Univiertel) erwies sich schon bei den Weltrekordflügen der Bf 109 und Me 209 als zu klein, und nicht geeignet für die Erprobung des ersten serienmäßigen Düsenjägers der Welt, der Messerschmitt Me 262. Auf der rechen Seiten des Raumes befinden sich zwei Vitrinen, die sich mit diesem Flugzeug und seiner Entwicklung beschäftigen. Hier ist unter anderem auch eine Bordkanone MK 108 der Me 262 ausgestellt. Ein flugfähiges Exemplar dieses Flugzeuges ist im „Flugmuseum Messerschmitt“ in Manching stationiert.
Eine Vitrine beschäftigt sich besonders mit der Phase zwischen den beiden Kriegen, als aus dem Deutschen Luftsportverband die spätere Luftwaffe hervorging. Hier sind Flugzeugmodelle ausgestellt, mit denen damals die Piloten ausgebildet wurden. Eine weitere Informationstafel beschäftigt sich mit den in den Jahren 1937 und 1939 aufgestellten Weltrekorden mit Messerschmitt-Flugzeugen. Der im Jahr 1939 erzielte Rekord konnte übrigens 30 Jahre lang nicht überboten werden!
„Der letzte Flug einer Lechfelder Junkers Ju 88“ berichtet von einem Einsatz am 2. Juni 1940 gegen den Hafen von Marseille, von dem die Besatzung nicht mehr zurückkehrte.
In einer Rundvitrine ist der gefütterte Schutzanzug eines Piloten aus dem 2. Weltkrieg ausgestellt. Und daneben – diese Information ist kaum bekannt – findet sich ein Hinweis auf das im Jahr 1915 in Lechfeld aufgestellte Alpenkorps, das den von österreichischen Truppen entblößten Alpenraum gegen Italien abschirmen und sichern sollte. Zum Dank für den erfolgreichen Einsatz wurde dem Korps vom kommandierenden General der Südwestfront, Prinz Eugen, ein Edelweiß verliehen, das noch heute an der Uniform von den Gebirgsjägern der Bundeswehr getragen wird.