Fernmeldewesen


Dieser Bereich ist der gesamten Fernmeldeausbildung gewidmet, die seit 1956 auf dem Lechfeld durchgeführt wurde. Die Ausbildung an der damaligen Technische Schule der Luftwaffe 2 (heute Führungsunterstützungsschule) auch „Schule der Führungsdienste“ genannt, war zu Beginn noch strikt getrennt nach Betriebs- und Mechanikerausbildung. Es begann mit „Grundlagen der Elektrotechnik“, an die sich Lehrgänge in Fernsprech-, Fernschreib-, Funk- und Weitverkehrstechnik und –betrieb anschlossen, deren Lehrgangsdauer je nach Lehrgangsziel bzw. Befähigungsebene unterschiedlich lang war.
Rechts neben dem Eingang erkennen ehemalige Soldaten der Bundeswehr bestimmt einige Relikte aus ihrer Dienstzeit wieder, z.B. den Feldfernsprecher OB/ZB und die dazu passende „10er“ Vermittlung.
Anhand der Größe dieser Geräte lässt sich die Entwicklung vom ursprünglichen Telefon zum heute üblichen Smartphone wunderbar nachvollziehen. Die Fernschreibmaschine der Firma Lorenz (daher LO 15) zeigt Ihnen, wie aufwendig die mechanische Umsetzung der eingegebenen Zeichen in elektrische Signale war. Nach dem Code des Internationalen Telegraphenalphabet Nr. 2 wurden in den 50er/60er Jahren im Höchstfall 400 Zeichen/min übertragen.


In Verbindung mit dem daneben stehenden Kurzwellensender 500 Watt und zusätzlichen Empfangsgeräten konnte man verschlüsselte Fernschreiben per Funk um den Globus senden und empfangen. Das Betriebspersonal war aber auch in der Lage, Sprechfunk und den damals noch üblichen Tastfunk mittels Morsezeichen mit diesem Sender zu übertragen. Neben kleineren UKW-Sprechfunkgerä-ten steht eine OB-Fernsprechvermittlung, auf die bis zu 300 Fernsprechapparate aufgeschaltet werden konnten. Mit Hilfe eines Amtszusatzes ließen sich Gespräche auch in ein von einer Zentralbatterie betriebenes Fernsprechnetz (also das normale Telefonnetz) weitervermitteln. Ein Telefongespräch musste damals bei der Vermittlung angemeldet werden. Das Personal rief dann, wenn der Anzurufende erreicht worden war, den das Gespräch Anmeldenden zurück. So funktionierten bis in die 80er Jahre Telefonzentralen und Vermittlungsstellen. In der nächsten Vitrine sind Kryptogeräte (Schlüsselgeräte) ausgestellt, mit deren Hilfe Fernsprech-, Fernschreib- und Datenverkehr verschlüsselt werden kann. Informationen über Funk können mit entsprechenden Antennen jederzeit abgehört und empfangen werden. Weil diese Nachrichten aber nicht für jedermann bestimmt sind, muss man sie verschlüsseln. Hierzu gibt es zwei prinzipielle Möglichkeiten: das OFF-LINE-Verfahren, in dem die Nachricht bereits vor der Übermittlung verschlüsselt wird – oder das ONLINE-Verfahren, in dem die Verschlüsselung während der Übermittlung erfolgt.
Ein klassisches OFF-LINE-Kryptogerät war die im 2. WK eingesetzte Enigma oder das 20 Jahre lang bei der Bundeswehr verwendete Schlüsselgerät Hell H-54.
Ein „Eye-Catcher“ besonderer Art ist das ausgestellte und 1937 gebaute Dezimetergerät DMG 5k „Michael“, das erste einsatzfähige Trägerfrequenzgerät im 2. Weltkrieg. Hergestellt von der Berliner Firma Telefunken, wurden von 1936-1945 insgesamt 3540 dieser Geräte gebaut, die anfangs im ortsfesten, später auch beweglichen Einsatz verwendet wurden.
Ein Schwerpunkt der Ausbildung war und ist die Messtechnik mit dem Einsatz von diversen Messgeräten zur Fehlersuche und Fehleranalyse an einzelnen Geräten oder kompletten Übertragungssystemen.
Der Ablauf und die daraus resultierenden notwendigen Entscheidungen auf einem modernen Gefechtsfeld wird von einer modernen und schnellen Informationstechnik bestimmt. „Wissen ist Macht“ – nirgendwo gilt dieser Satz mehr als hier. Nur wer technisch in der Lage ist, schnell Informationen sammeln, übertragen und auswerten zu können, wird jenen zeitlichen Vorsprung bekommen, der für die richtige Entscheidungsfindung erforderlich ist. Dabei steht STAR für Simulation-Test-Ausbildung und Referenzanlage. An diesen für die Ausbildung im Verbund betriebenen Originalgeräten wird der Soldat ausgebildet und auf seinen Einsatz im Verband vorbereitet. Schnelle Übertragung von Rechner zu Rechner in DSL-Technik ist heute aus der Bundeswehr nicht mehr wegzudenken.